Kommt eine Rechnung herein, während wichtige Kundenzahlungen noch ausstehen? Eine Liquiditätsplanung für KMU hilft Ihnen, solche Situationen frühzeitig zu erkennen und Ihre Zahlungen vorausschauend zu steuern.
Ein Unternehmen kann rentabel sein und trotzdem kurzfristig zu wenig Geld auf dem Konto haben. Entscheidend ist deshalb nicht nur, was Sie verdienen, sondern auch, wann Einnahmen tatsächlich eintreffen und Ausgaben bezahlt werden müssen. Das SECO empfiehlt, die Liquidität möglichst genau zu planen, damit sichtbar wird, wann welche Mittel benötigt werden.
Im Folgenden zeigen wir, wie Sie eine praktische Planung aufbauen, aktuell halten und für bessere Entscheidungen nutzen können.
Liquidität und Gewinn getrennt betrachten
Gewinn und verfügbare Zahlungsmittel sind nicht dasselbe. Ein Auftrag kann wirtschaftlich attraktiv sein, doch zwischen Leistungserbringung, Rechnungsstellung und Zahlungseingang können Wochen liegen. Gleichzeitig laufen Miete, Löhne, Versicherungen und Lieferantenrechnungen weiter.
Auch Anschaffungen, saisonale Schwankungen oder verspätete Zahlungen können die verfügbare Liquidität beeinflussen. Darum lohnt es sich, nicht nur auf den Kontostand zu schauen, sondern die erwarteten Bewegungen über einen Zeitraum hinweg gegenüberzustellen. So erkennen Sie mögliche Engpässe, bevor sie akut werden.
Eine Liquiditätsplanung ersetzt weder Buchhaltung noch Budget. Sie ergänzt diese um eine zeitliche Perspektive: Das Budget zeigt, welche Erträge und Kosten Sie erwarten; die Liquiditätsplanung macht sichtbar, wann daraus Ein- und Auszahlungen werden.
Mit einer übersichtlichen Planung starten
Sie brauchen dafür keine komplizierte Lösung. Wichtig ist, dass die Übersicht zu Ihrem Betrieb passt und die relevanten Zahlungstermine abbildet. Als Ausgangspunkt können Sie die Planung in regelmässige Zeitabschnitte gliedern und Ihre erwarteten Ein- und Auszahlungen eintragen.
- Ausgangslage: Erfassen Sie die aktuell verfügbaren Mittel auf den Geschäftskonten und in der Kasse.
- Erwartete Einnahmen: Planen Sie Kundenzahlungen anhand offener Rechnungen, vereinbarter Anzahlungen und realistischer Zahlungstermine.
- Fixe Ausgaben: Berücksichtigen Sie wiederkehrende Verpflichtungen wie Löhne, Miete, Versicherungen und laufende Abonnemente.
- Variable Ausgaben: Ergänzen Sie Lieferantenrechnungen, projektbezogene Kosten und andere Zahlungen, deren Höhe oder Zeitpunkt schwanken kann.
- Besondere Ereignisse: Nehmen Sie geplante Investitionen, saisonale Veränderungen und unregelmässige Zahlungen auf.
Arbeiten Sie mit realistischen Annahmen statt mit dem bestmöglichen Szenario. Bei Kundenzahlungen hilft es, zwischen dem Rechnungsdatum und dem erwarteten Zahlungseingang zu unterscheiden. Wenn ein Termin unsicher ist, können Sie dies in der Planung sichtbar machen, statt den Betrag als sicher verfügbar zu behandeln.
Früh reagieren, statt unter Zeitdruck handeln
Eine Planung ist besonders nützlich, wenn sie nicht bloss dokumentiert, sondern für Entscheidungen genutzt wird. Zeigt sie in einer kommenden Periode einen knappen Bestand, können Sie prüfen, welche Ursache dahinterliegt: ein verspäteter Zahlungseingang, eine grössere Anschaffung oder eine Häufung von Fälligkeiten.
Je nach Situation kommen unterschiedliche Schritte infrage. Das SECO nennt unter anderem eine rasche Rechnungsstellung, kürzere Zahlungsfristen oder das Vereinbaren von Anzahlungen, um Zahlungseingänge zu beschleunigen. Auch Zahlungsfristen mit Lieferanten können geprüft werden; nicht dringende Anschaffungen lassen sich gegebenenfalls verschieben.
Wählen Sie Massnahmen mit Blick auf die langfristigen Auswirkungen. Eine verschobene Investition kann kurzfristig helfen, darf aber wichtige Abläufe nicht beeinträchtigen. Ebenso sollten Zahlungserinnerungen und Gespräche mit Geschäftspartnern früh und sachlich erfolgen. Je früher Sie eine Abweichung erkennen, desto mehr Möglichkeiten haben Sie, geordnet zu reagieren.
Die Planung regelmässig aktualisieren
Eine Liquiditätsübersicht ist nur so aussagekräftig wie ihre Annahmen. Aktualisieren Sie deshalb die Planung regelmässig mit den tatsächlichen Zahlungseingängen und -ausgängen. Vergleichen Sie dabei die Prognose mit dem aktuellen Stand und passen Sie offene Positionen an, sobald sich Termine oder Beträge verändern.
Bei einem Betrieb mit vielen Zahlungsvorgängen kann eine häufigere Aktualisierung sinnvoll sein als bei einem Unternehmen mit wenigen, gut planbaren Bewegungen. Das SECO weist darauf hin, dass sich kurzfristige Zahlungsfähigkeit aus Kennzahlen allein nicht ausreichend ablesen lässt und eine laufend nachgeführte Liquiditätsplanung dafür wichtig ist.
Besonders hilfreich ist es, Abweichungen nicht nur zu erfassen, sondern ihre Ursachen zu verstehen. Sind Rechnungen später bezahlt worden als erwartet? Haben sich Projektkosten erhöht? Oder liegen Ausgaben zeitlich näher beieinander als angenommen? Die Antworten verbessern Ihre künftigen Schätzungen und geben Hinweise auf Prozesse, die Sie anpassen können.
Liquiditätsplanung im Betriebsalltag verankern
Damit die Planung nicht nach kurzer Zeit veraltet, sollte klar sein, wer sie aktualisiert und woher die Daten stammen. In kleineren Unternehmen liegt diese Aufgabe oft bei der Geschäftsführung. Unterstützend wirken eine aktuelle Debitoren- und Kreditorenbuchhaltung sowie ein verlässlicher Überblick über Löhne, Investitionen und wiederkehrende Verpflichtungen.
Sie können die Planung zudem mit Budget, Reporting und Controlling verbinden. So sehen Sie nicht nur, ob Geld zum richtigen Zeitpunkt verfügbar ist, sondern auch, wie sich die tatsächliche Entwicklung gegenüber Ihren Erwartungen verhält. Bei Veränderungen im Geschäft – etwa neuen Projekten, Wachstum oder saisonalen Spitzen – lässt sich die Planung entsprechend anpassen.
Allgemeine Informationen ersetzen keine individuelle Steuer- oder Rechtsberatung.
Mit Überblick sicherer entscheiden
Eine sorgfältige Liquiditätsplanung muss nicht kompliziert sein. Wenn Sie Zahlungsströme realistisch erfassen, Veränderungen regelmässig nachführen und mögliche Engpässe früh besprechen, gewinnen Sie eine bessere Grundlage für Ihre Entscheidungen. Wir unterstützen KMU, Start-ups und Selbständige unter anderem mit Finanzbuchhaltung, Budgetierung, Liquiditätsplanung und Reporting.
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